06.02.2026 • von Jonas Kellermeyer

Future Foresight – Wie geht das?

Ein Stapel mit Dokumenten, an dessen Spitze eine Box steht.

Die Zukunft ist kein fremder Ort, den wir irgendwann erreichen. Sie ist ein Möglichkeitsraum, auf dessen konkrete Ausgestaltung wir bereits heute einen massiven Einfluss haben. „Zukunft“ ist also etwas, das sich prognostizieren lässt: mit Zahlen in Form von Trends und Forecasts. Was dabei häufig zu kurz kommt, ist ein systematischer Blick, der Unsicherheit, Mehrdeutigkeit und alternative Entwicklungen nicht nur berücksichtigt, sondern in ihnen eine Chance zu erkennen vermag. Genau hier setzt Future Foresight an.

Was ist Future Foresight?

Future Foresight beschreibt keinen Versuch, die Zukunft vorherzusagen. Im Gegenteil: es ist ein strukturierter Ansatz, um mit Unsicherheit umzugehen, statt sie zu verdrängen.
Future Foresight verbindet:

  • strategisches Denken,
  • systemische Analyse,
  • qualitative Forschung,
  • spekulative Szenarien.

Ziel ist es, mögliche Zukünfte (ja, im Plural!) sicht- und begreifbar zu gestalten. Die eingangs angesprochene Unsicherheit ist dabei kein Bug, sondern ein Asset: es geht nicht darum, sich auf ein fixes Szenario festzulegen, sondern darum im Angesicht der manifesten Ambiguität robustere Entscheidungen in der Gegenwart zu wagen.

Kurz gesagt: Future Foresight hilft Organisationen dabei, mögliche Änderungen früher zu erkennen, anders zu denken und bewusst auf sie reagieren zu können.

Warum klassische Planung oft nicht mehr ausreicht

Eine Vielzahl von strategischen Modellen geht implizit von absoluter Stabilität aus. Getreu dem Motto:

  • Märkte entwickeln sich linear,
  • Technologien reifen vorhersehbar,
  • Verhalten ändert sich graduell.

Die Realität ist eine andere. Technologische Sprunginnovationen, gesellschaftliche Umbrüche und geopolitische Disruptionen und entsprechende Spill-Over-Effekte sorgen dafür, dass lineare Planung zunehmend an ihre Grenzen stößt. Future Foresight setzt genau hier an: nicht als Ersatz für Strategie, sondern als Erweiterung, die die Paradigmenwechsel ernst nimmt.

Die Leitfrage lautet nicht länger „Was wird passieren?“, sondern verschiebt sich hin zu „Was könnte passieren – und was würde ein solcher Wandel für uns bedeuten?

Wie Future Foresight konkret funktioniert

Future Foresight ist nicht mit einem singulären Tool verbunden, sondern kommt viel mehr einem breit angelegten Denk- und Arbeitsprozess gleich. Typischerweise umfasst dieser mehrere miteinander verbundene Schritte.

1. Signale erkennen

Am Anfang stehen sogenannte Weak Signals: frühe Hinweise auf Veränderungen, die noch nicht dominant sind, aber über die Zeit hinweg Wirkung entfalten könnten. Das können technologische Entwicklungen sein, neue Verhaltensweisen, politische Debatten oder kulturelle Verschiebungen. Entscheidend hinsichtlich dieser Weak Signals ist das Potenzial, das man in ihnen sieht.

2. Muster und Dynamiken verstehen

Einzelne Signale sind selten aussagekräftig. Erst im Zusammenhang entstehen Muster.
Future Foresight fragt deshalb:

  • Welche Kräfte wirken hier zusammen?
  • Welche Spannungen bauen sich auf?
  • Welche Annahmen geraten ins Wanken?

Dieser Schritt ist bewusst analytisch, aber es ist nicht rein quantitativ.

3. Zukünfte entwerfen

Auf Basis dieser Dynamiken werden Szenarien entwickelt. Dabei handelt es sich keinesfalls um Prognosen, sondern um konsistente, plausible zukünftige Gegenwartsentwürfe.
Gute Szenarien:

  • sind widersprüchlich,
  • fordern bestehende Überzeugungen heraus,
  • machen Konsequenzen greifbar.

Future Foresight nutzt hier bewusst spekulative Elemente, um Grenzen im Denken zu verschieben.

4. Bedeutung für das Hier und Jetzt ableiten

Der wichtigste Schritt kommt zum Schluss und wird allzu oft unterschätzt.
Future Foresight fragt nämlich:

  • Was bedeutet dieses Szenario für unsere Entscheidungen heute?
  • Welche Strategien sind in mehreren Zukünften tragfähig?
  • Wo sollten wir lieber experimentieren, statt zu optimieren?

An genau dieser Stelle wird Zukunftsdenken bereits heute handlungsrelevant.

Wer profitiert von Future Foresight?

Future Foresight richtet sich nicht an diejenigen, die schnelle Antworten suchen, sondern an Organisationen und Personen, die regelmäßig mit Unsicherheit umgehen müssen. Besonders profitieren Entscheider:innen, die Verantwortung unter Bedingungen tragen, in denen Erfahrungswerte allein nicht mehr ausreichen.

Unternehmen gewinnen durch Future Foresight also die Fähigkeit, im Angesicht unsicherer Aussichten, resiliente strategische Entscheidungen zu treffen. Das bedeutet, dass sie in mehreren möglichen Zukünften tragfähig bleiben. Statt auf einzelne Trends zu reagieren, entsteht ein tieferes Verständnis für systemische Zusammenhänge und langfristig angelegte Dynamiken.

Auch Innovations-, Strategie- und Transformationsteams können profitieren, gerade, weil Future Foresight einen gemeinsamen Denkrahmen absteckt. Komplexe Entwicklungen werden nicht vereinfacht, sondern in ihrer Komplexität ernst genommen. Das reduziert blinde Flecken und kann letztlich die Anschlussfähigkeit unterschiedlicher Perspektiven garantieren.

Nicht zuletzt profitieren Organisationen dort am meisten, wo Zukunft nicht delegiert werden kann: überall dort, wo Entscheidungen heute getroffen werden, deren Konsequenzen sich erst in Jahren zeigen, ist Future Foresight ein besonders lohnendes Unterfangen.

Fazit: Future Foresight ist keine Spielerei

Future Foresight ist vieles, aber sicherlich kein Zeitvertreib, der unernst betrieben wird. Gute Prognosen, die Zukunft betreffend leben zwar von einer freien Imagination und kreativer Spekulation, jedoch geht es bei allem Freidrehen immer noch darum, konkrete Signale auszuwerten. Seien diese stark, oder schwach: jedes entworfene Zukunftszenario ist immer nur so gut, wie die analytische Methode, die im Hintergrund stets mitläuft. Solcher Methoden existieren unterdessen verschiedene Ausprägungen: von der Umwelt- und Kontextanalyse, wie sie durch de STEEP-Methode zum Ausdruck kommt über das qualitative Trend Mapping und Szenario-basierte Herangehensweisen wie dem Backcasting bis hin zu partizipativen Praktiken, wie der Durchführung einer Delphi-Studie gibt es einen großen Pool an Möglichkeiten, aus dem nach Belieben geschöpft werden darf.

Auch wenn es ab und an spielerisch zugehen mag: Future Foresight ist keine Spielerei!

Über den Autor

Jonas ist Kommunikationsexperte und zeichnet sich seinerseits verantwortlich für die sprachliche Darstellung der Taikonauten, sowie hinsichtlich aller öffentlichkeitswirksamen R&D-Inhalte. Nach einiger Zeit in der universitären Forschungslandschaft ist er angetreten, seinen Horizont ebenso stetig zu erweitern wie seinen Wortschatz.

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